Wednesday, June 30, 2010
Konzertgalerie (1): Christy & Emily
Friday, April 30, 2010
Ajami
Was zunächst wie ein beinahe herkömmlicher Film über mafiöse Bandenkriege und blutige patrimoniale Rituale beginnt, entpuppt sich im Laufe der fünf inhaltlich äußerst komplexen Episoden als ein vielschichtiges Portrait israelisch-arabischer Realität. Scandar Copti und Yaron Shani haben mit Ajami ein lebhaftes Bild über den Alltag im gleichnamigen Stadtteil von Jaffa entworfen, das anhand ineinander verwobener Familiengeschichten erzählt wird. Es ist eine jener Gegenden, die in Fernsehnachrichten meist auf Morde, Raubüberfälle und Drogenhandel reduziert werden. Welche Motivationen hinter diesen Geschehnissen stecken, wird in Ajami durch die Innensicht verschiedenster Milieus – israelische Araber christlichen und muslimischen Glaubens, palästinensische „Illegale“, orthodoxe und säkulare Juden, Beduinen – gezeigt, die sich ihrerseits als extrem vielschichtig erweisen. Um sich oder ihren Angehörigen überlebenswichtige Vorteile zu verschaffen, bedienen sich die Charaktere nicht selten illegaler Mittel und geraten dadurch mal mehr, mal weniger zufällig auf die schiefe Bahn und damit in für sie nicht mehr kontrollierbare Halbwelt von Drogendeals und Clanfehden: so etwa Omar, um sich aus einer arabischen Blutfehde freizukaufen und der illegal in Israel arbeitende Malek, der den Krankenhausaufenthalt seiner Mutter finanzieren muss. Die Grenzen zwischen Tätern und Opfern, die hier Haus an Haus leben, verschwinden oft schon in der nächsten Episode. Auf engstem Raum wirken sich so die verschiedenen Geschehnisse unmittelbar auf andere Communities aus.
Wie sehr die Regisseure mit den Erwartungshaltungen der Zuschauer spielen, zeigt sich in der nicht chronologischen Erzählweise, den räumlichen Handlungssprüngen und der Schaffung beinahe voyeuristischer Momente: völlig unerwartet kommt es zu spontanen Handgemengen und Stechereien. Der oft hektische Schnitt, die wechselnden Kameraperspektiven sowie die Licht- und Farbgebung verleihen „Ajami“ einen dokumentarischen Charakter. Verstärkt wird diese fast schon naturalistische Darstellung durch den Einsatz von Laienschauspielern, die, entsprechend der Handlung im jeweiligen Milieu, untereinander Arabisch oder Hebräisch sprechen. Ästhetisch erinnert dies sehr an die frühen Filme von Pasolini sowie die sozialrealistischen Filme des Free Cinema.
Ajami (ISR 2009), Regie / Drehbuch: Scandar Copti, Yaron Shani, Darsteller u.a.: Fouad Habash, Eran Naim, Youssef Sahwani, Ibrahim Frege, Hilal Kabob, Ranin Karim
Wednesday, March 31, 2010
Put your Hands up for Detroit!
Bild viaEine Reihe beeindruckender Aufnahmen zum städtebaulichen Niedergang des postindustriellen Detroit bietet der amerikanische Fotograf James Griffioen: Bilder von verlassenen Vorstädten, Schulgebäuden und öffentlichen Plätzen, in denen mittlerweile die Natur wieder Einzug erhalten hat und die damit ähnlich wie vor einigen Jahren die Ausstellung "Shrinking Cities" den dramatischen Wandel einstiger industrieller Hochburgen dokumentieren.
Bild viaTuesday, March 2, 2010
Saturday, February 13, 2010
90-99: STINA NORDENSTAM

„it takes a desert to need someone like you“
Nähe, Kälte und Distanz: Auf den ersten drei Alben der schwedischen Musikerin Stina Nordenstam konnte man in den Neunzigern eine Entwicklung mitverfolgen, die ihren Höhepunkt in einem Album fand, das wie ein dunkler Klotz allein auf weiter Flur steht. Die konsequente Reduktion der Musik auf den düsteren emotionalen Kern ist wohl nur mit den Spätwerken solcher um einiges renommierterer Schwergewichte wie Scott Walker und David Sylvian vergleichbar (ohne dabei in deren manchmal vorhandene Tendenz zum prätentiösen Kunsthandwerk zu verfallen).
Dabei fing die Sache noch recht harmlos an: als Gewinn bei einem Talentwettbewerb erhielt Stina Nordenstam die Möglichkeit, 1991 ihr Debütalbum aufzunehmen. Auf dem so entstandenen „Memories of a Color“ sind ihre Songs noch in Arrangements verpackt, die teilweise gefährlich nah am adult orientated Jazz-Pop vorbeischrammen. Eine größtenteils eher nur nette Platte, auf der jedoch in den besten Liedern bereits Untiefen durchschimmerten, die im Folgenden immer mehr in den Vordergrund drängen sollten.
Denn schon das 3 Jahre später entstandene Album „And She Closed Her Eyes“ lässt den Vorgänger eher als erste Fingerübung erscheinen. Die Instrumentierung um ihre seltsam volumenlose, aber ungeheuer prägnante Stimme herum wird merklich zurückgefahren. Auch die scheinbar leicht zugänglichen Lieder wie den Mini-Hit „Little Star“ verwandelt sie durch den Einsatz von Chorgesang und verhallten Trompetenklängen in kühlere Klangräume. Titel wie „Crime“ und „Murder in Maryland Park“ weisen nicht nur in den fragmenthaften Texten auf dunkle Szenarien hin, auch durch die Melodien wird versucht, die tragische Dimension der Ereignisse zu erfassen. Doch Stinas Gesang und ihr Gespür für reduzierte Arrangements schaffen es komischerweise auch in diesen sehr emotionalen Momenten Distanz zu wahren, die wie eine Glaswand jede allzu leichte Identifikation verhindert.

Mit dem 96er Album „Dynamite“ erreichte sie dann den extremsten Außenposten an frostiger Abstraktion. Die Lieder wirken wie entkernt, sind meist nur um Gesang und die klirrenden Überreste ihrer Gitarre herum aufgebaut. Gelegentlich mischen sich aus der Entfernung metallisch-schleppende Beats und arktische Streicher wie aus einer TV-Doku über eine gescheiterte Nordpolexpedition dazu. Jedes klangliche Element scheint in seinem eigenen isolierten Raum festzusitzen. Eine klamme, von grauem Licht ungünstig erhellte Welt entsteht vor dem inneren Auge - „like the morning shot through a diving bell“. Und dazu singt Stina mit irritierend ruhiger Stimme von krankhaften Abhängigkeiten und gewalttätigen Rachephantasien. Auch das von ihr selbst inszenierte und selten im Musikfernsehen gezeigte Video zu „This Time John“ unterstreicht den harschen, und doch um eine verstörte Form von Schönheit und Melancholie bemühten Ton der Platte. Die Dunkelheit, die rückblickend von Anfang an hinter allem stand, behält hier jedoch die Oberhand, und es scheint schwer vorstellbar wie es danach überhaupt weitergehen könnte.

Doch natürlich ging es weiter:
Nach dem eigenwilligen Cover-Album „People Are Strange“ (auf dem sie unter Anderem „Purple Rain“ und Rod Stewarts „Sailing“(!) neu interpretiert) und dem noch mehr mit programmierten Beats arbeitendem „This Is Stina Nodenstam“ erschien 2004 ihr bislang leider letztes Album, „The World Is Saved“, das es schafft die finsteren Untertöne auch in sorgfältig ausarrangierten und eingängigen Liedern wie „Get On With Your Live“ stets spürbar zu machen. Ganz dem Albumtitel widersprechend ist hier nichts sicher.
„Even you are falling when you're turning out the light/
Strange and lovely facts for us who cannot sleep at night“
Friday, February 5, 2010
"fruehmorgens, abends oder nachts"
Wednesday, January 20, 2010
The 'Naughty Forty'
6. Micachu & The Shapes – Turn Me Well 7. Empire Of The Sun – We Are The People
8. Fever Ray – Dry And Dusty
10. Lily Allen – 22
11. Yuksek feat. Amanda Blank – Extraball17. Fischerspooner – Money Can't Dance
21. Fan Death – Veronica's Veil22. Sonic Boom Foundation – Ignorance is Bliss
28. Chairlift – Evident Utensil
33. Wendy James – King Hoodlum
34. Yeah Yeah Yeahs – Zero
35. Passion Pit – Sleepyhead
36. Patrick Wolf – Hard Times Brockdorff Klang Labor / I'm Not A Band / Thiz Iz A Dead Parrot (Drushba, Halle)




